Auszüge aus der Corpsgeschichte

Unser Corps wurde im Jahre 1813 in der Begeisterung des Aufbruchs zur Freiheit von Göttinger Studenten aus den Braunschweiger und Halberstädter Landen gegründet, um Freundschaft zu pflegen, sich gegenseitig zu helfen, tüchtige Männer zu werden, und sich in allen Fragen des Studentenlebens treuen Beistand zu leisten.

 

Nach den Karlsbader Beschlüssen 1819 wurde das Corps verboten; die freiheitlichen und demokratischen Grundsätze seiner Verfassung waren der restaurativen Regierung verdächtig. Vor den immer neuen Verfolgungen mußte das Corps wiederholt aufgelöst werden, es lebte dann unter anderen Namen und Farben weiter. Das dreifarbige Corpsband durfte in der Öffentlichkeit nicht gezeigt werden. Nur zum hundertjährigen Bestehen der Universität im Jahre 1837 durften die Korporationen auf Wunsch des Königs in ihren traditionellen Uniformen und Farben an den Umzügen teilnehmen.


Erst in der Revolution von 1848 errangen die Korporationen die Freiheit, und bis 1914 war Brunsviga mit den anderen Corps maßgebender Vertreter der Studentenschaft. Im französischen Kriege suspendierte das Corps, weil seine Mitglieder Soldaten wurden. Am Ersten Weltkriege nahmen 155 Braunschweiger teil, von denen 38 fielen, doch wurde der Corpsbetrieb mit verwundeten Studenten und mit Alten Herren notdürftig aufrechterhalten. 1920 folgten mehrere Braunschweiger dem Aufruf der Reichsregierung, sich am Kampf gegen die Spartakisten zu beteiligen

1935 wurde das Corps, wie alle anderen Korporationen, aufgelöst. Die Nationalsozialisten duldeten die demokratisch verfaßten Corps mit ihren humanitären und individualistischen Idealen nicht länger, sondern wollten den akademischen Nachwuchs allein in ihrem Sinne erziehen. Nur die Feiern zum Universitätsjubiläum sollten sie wieder "in vollem Wichs" ausstaffieren; aber diesmal lehnten die - als Vereinigungen ehemaliger Korporationen weiterbestehenden - Korporationen ab. Im Zweiten Weltkrieg fielen viele Braunschweiger.

Nach dem Kriege konnte das Corps zunächst nur unter einem Tarnnamen neu eröffnet werden, weil nun die Besatzungsmacht es nicht dulden wollte; jetzt wurden Corpsstudenten als Nationalsozialisten eingestuft. Anstelle des - bis 1953 verbotenen - akademischen Fechtens pflegte man geistige Interessen und ließ nur geistig hochstehenden Nachwuchs zu.

1951 kehrte man zu den bewährten Grundsätzen zurück. Keine Exklusivität in der Auswahl der Mitglieder, aber Erziehung zu Aufgeschlossenheit, Toleranz und Gesittung bei voller politischer und geistiger Freiheit.

So verbindet Brunsviga seine Mitglieder seit nunmehr über 200 Jahren in treuer lebenslanger Freundschaft. Sie alle haben die gleiche, anspruchsvolle Corpserziehung genossen. Dabei mußte ihr Wahlspruch sich auch gegenüber Regierungen und Zeitgeist bewähren, den man mit dem Goethewort übersetzen kann: "Allen Gewalten zum Trutz sich erhalten!"

(zusammengestellt von Dr. Georg Bacmeister)